News & Events

Elektronische Artikelsicherung (EAS) heute: Mehr als eine Warensicherung

October 20, 2016

Die elektronische Artikelsicherung zählt im Einzelhandel längst zum Standard, um Umsätze und Gewinne im Kampf gegen Ladendiebstahl zu schützen und stärken. Weltweit sind schätzungsweise rund 500.000 Sicherungsantennen im Einsatz. Doch seitdem vor über 20 Jahren die weltweit großen Einzelhandelsketten begannen, EAS in ihrer Lieferkette einzusetzen, hat sich die Technologie entschieden gewandelt. EAS ist nicht mehr einfach nur EAS.

Damals bestand die abschreckende Wirkung größtenteils allein darin, dass nur wenige Geschäfte ein Warensicherungssystem installiert hatten. Ladendiebe konzentrierten sich schlichtweg auf die Geschäfte, die noch nicht darüber verfügten. In jenen frühen Tagen lösten die EAS-Antennen an den Ausgängen, die an der Decke montiert wurden, je nach Wetterlage bei der Hälfte aller geschützten Artikel einen Alarm aus! Heute ist die Situation eine gänzlich andere: RFID-fähige EAS-Systeme sind unlängst in der Lage, alles zu ignorieren, was sich nicht über den Ausgang hinaus bewegt. Außerdem können Einzelhändler heute mithilfe von EAS ihre Ware innerhalb ihrer Filiale genauestens verfolgen und lokalisieren. Das Personal ist dank der Echtzeit-Ortung in der Lage, einen Kunden direkt anzusprechen, wenn sich dieser mit geschützten Artikeln beschäftigt. Es kann ihn beraten, um ihm die Kaufentscheidung zu erleichtern, – oder auch potenziellen Diebstahl vorbeugen.

Darüber hinaus verschaffen EAS-Systeme dem Einzelhandel heutzutage einen großen Zusatznutzen. Ein Beispiel dafür sind integrierte Kundenfrequenzzähler, die die Zahl der Kunden erfassen, die ein Geschäft betreten und verlassen. Die Technik ermöglicht dabei auch anderen Unternehmensabteilungen, von der Investition in die Verlustprävention (VP) zu profitieren. Die operativen Vorteile, die das Erfassen des Publikumsverkehrs für den Einzelhändler hat, sind allgemein bekannt. Doch auch die Verlustprävention erhält wichtige Informationen über potenzielle Risiken, wenn sich ein Kunde zum Beispiel besonders lange im Geschäft aufhält. Mit den neuen digitalen EAS-Systemen erhält die Verlustprävention Datenanalysen über Kundengewohnheiten, die sie dann an den Partner im Einzelhandel weitergeben kann. Dieser kann damit beispielsweise erfassen, welche Wirkung von Werbemaßnahmen ausgeht. Das ist EAS 2.0.

Zweifelsohne sind Lösungen zur Diebstahlprävention ein wichtiges Element bei der Bekämpfung des externen Schwunds. Das war schon immer so und daran wird sich auch zukünftig nichts ändern. Doch damit ein Medikament wirkt, muss man es auch einnehmen. Man benötigt Daten, um die Wirksamkeit des EAS-Systems in einem Geschäft zu verstehen. Und man muss die Einhaltung der Sicherheitsrichtlinien durch die Beschäftigten, die so genannte Compliance, sicherstellen.

Doch was bedeutet das? Compliance heißt nicht nur, auf EAS-Alarme im Ladenlokal zu reagieren. Dazu gehört auch, die Mitarbeiter an der Kasse einen Artikel korrekt deaktivieren und die Hartetiketten entfernen. Oder dass Mitarbeiter nicht vergessen, neu angelieferte Waren im Laden mit einem EAS-Etikett oder einem anderen Sicherungselement wie z. B. einem Keeper zu schützen. Bei EAS 2.0 spielen Mitarbeiter und Abläufe eine entscheidende Rolle, was uns durch die Arbeiten der ECR Shrink & On-Shelf Availability Group und Prof. Adrian Beck mehrfach vor Augen geführt wurde.

Compliance bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und Initiativen unter Federführung der Experten für Verlustprävention und mit der Unterstützung und Beteiligung von Personalwesen, Logistikkette, Einkauf und Marketing zu ergreifen. Ein gutes EAS-Programm bezieht nicht nur das Personal mit ein. Es sorgt auch dafür, dass das Einkaufserlebnis für den Kunden bewahrt und nicht durch unnötige Alarme an den Ausgängen beeinträchtigt wird. In dieser Hinsicht tendieren viele Einzelhändler nun zu einem Einsatz von RFID-Technologie, um die Anzahl der falschen EAS-Alarme im Ladenlokal zu verringern. Genau diese Entwicklung auf dem Gebiet der EAS trägt zur Wertschöpfung im Einzelhandel bei.

Das Ziel der EAS-2.0-Strategie lautet: mehr Umsatz und weniger Warenschwund. Die Betonung liegt dabei insbesondere auf der Umsatzsteigerung. Was früher als Investition in die Diebstahlprävention galt, entwickelt sich immer mehr zu einem weiteren Instrument zur Messung des Kundenverhaltens. Und das kommt letztendlich der Kundenbindung und dem Umsatzvolumen zugute. Für den traditionellen stationären Handel ist dies angesichts der zunehmenden Bedrohung durch das Online-Geschäft wichtiger denn je.

EAS 2.0 bedeutet auch, kluge Entscheidungen vor Ort zu treffen, um Zeit zu sparen und effizienter zu arbeiten. Sobald man festgestellt hat, wo es hakt, erkennt man die wichtigsten Herausforderungen, die sich einem intern und extern stellen, – und ergreift die richtigen Maßnahmen.

Bei EAS 2.0 geht es zudem um das Management des unternehmensweiten Reporting: Die Verlustprävention erhält einen Überblick darüber, was ihre Verlustpräventionssysteme vor Ort tun. Was funktioniert gut? Und was nicht? Und welchen Nutzen bringt diese Informationen, um fundierte Entscheidungen hinsichtlich der erforderlichen Verbesserungen zu treffen?

EAS 2.0 heißt, dass Verlustprävention und Einzelhändler enger zusammenarbeiten, um das Kundenerlebnis zu verbessern und dafür zu sorgen, dass die Filialen ehrliche Kunden herzlich willkommen heißen und sich vor den nicht ganz so ehrlichen schützen.

EAS ist also ganz bestimmt nicht mehr dasselbe wie früher, sondern hat sich weiterentwickelt. Willkommen zu EAS 2.0…