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Ladendiebstahl: Einzelhandel rüstet auf

June 26, 2017

Ladendiebstahl setzt den stationären Einzelhandel weiter unter Druck. Investitionen in Sicherungstechnik nehmen vielerorts zu.


Hirschhorn. Jahr für Jahr verliert der deutsche Einzelhandel mehrere Milliarden Euro durch Ladendiebstahl. Ob angesagte Smartphones, begehrte Kosmetikartikel, hochpreisige Lebensmittel oder die neueste Bohrmaschine – geklaut wird, was sich besonders gut weiterverkaufen lässt. Schäden entstehen dabei jedoch nicht nur durch den Wertverlust der gestohlenen Artikel selbst. „Ladendiebstahl führt auch zu Lücken im Regal und die können dem Einzelhändler teuer zu stehen kommen. Finden Kunden die Artikel, die sie suchen, nicht mehr vor, wenden sie sich enttäuscht ab und gehen zum Wettbewerb“, erklärt Hans-Jürgen Nausch, Warensicherungsexperte bei Checkpoint Systems.

In Zeiten des zunehmenden Online-Handels setzt Ladendiebstahl dem stationären Einzelhandel besonders zu. Denn sein größtes Pfund, dass die Kunden die Waren direkt in Augenschein und sofort mitnehmen können, wird genau dadurch gefährdet. Verbraucher einerseits durch ein perfektes Shopping-Erlebnis zu binden und Margen andererseits zu sichern, sind für den Einzelhandel so bedeutend geworden wie vielleicht noch nie zuvor. Ladendiebstahl ist da ein zusätzlicher Hemmschuh für die Umsätze und Gewinne.

Diebe verunsichern statt Diebe fangen

Viele Einzelhändler rüsten deshalb auf. Besonders im Lebensmittelhandel und bei Baumärkten haben Investitionen in moderne Sicherungstechnik an Dynamik gewonnen. In diesen Branchen gab es, auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, noch besonderes viele „ungesicherte“ Märkte. Vor allem die deutschen Lebensmittelfilialisten haben jedoch inzwischen aufgeholt. Vielerorts haben Sicherungsantennen Einzug gehalten, die Alarm schlagen, wenn gesicherte Artikel unbezahlt durch den Ausgang geschoben werden.

„Diebe suchen häufig den Weg des geringsten Widerstands. Professionelle Banden gehen dorthin, wo sie leicht Beute machen können“, weiß Nausch. Ziel der Maßnahmen sei es jedoch keineswegs, möglichst viele Langfinger auf frischer Tat zu ertappen. Prävention ist angesagt: Diebe verunsichern statt Diebe fangen.

Die Möglichkeiten, die sich dem Einzelhandel dafür bieten, sind groß. Nach dem Motto schlauer als die Klauer gibt es für nahezu jedes Produkt eine spezielle Lösung. „Die Kunst ist es, einen Artikel zu sichern, ohne das Einkaufserlebnis der ehrlichen Kunden zu beeinträchtigen“, erläutert Nausch. Statt geschlossener Vitrinen sind vielmehr Sicherungslösungen gefragt, die eine offene Warenpräsentation erlauben.

So analysiert der Handel sehr genau, welche Produktbereiche besonders betroffen sind und setzt hier auf gezielten Schutz. Um den Nutzen der Warensicherung zu erhöhen, haben die Technologieanbieter die digitalen Sicherungssysteme zudem immer „intelligenter“ werden lassen. Die Verknüpfung mit Peripheriegeräten wie Kundenfrequenzzählern gehört längst zum Standard. Auch folienbeschichtete Taschen, wie sie häufig von Profi-Dieben verwendet werden, können bereits aufgespürt werden, sobald jemand damit ein Geschäft betritt. Analysen und Reportings werden per App bereitgestellt, um den Einzelhändlern wertvolle Informationen über die Ursachen und den Umgang mit Ladendiebstahl zu liefern. „Damit die positiven Effekte von optimaler Technik nicht verpuffen, ist gut geschultes Personal ein immer größerer Erfolgsfaktor“, so Nausch.

Quellensicherung nimmt zu

Geschätzt werden jedes Jahr rund sechs Mrd. radiofrequente (RF) Sicherungsetiketten auf den Markt gebracht. Immer häufiger werden diese nicht erst in den Geschäften vor Ort, sondern bereits während des Herstellungs- oder Verpackungsprozesses angebracht. Die sogenannte Quellensicherung soll nicht nur Verlusten vorbeugen, sondern auch den Absatz steigern. Denn dank Quellensicherung können viele Produkte wieder offen zugänglich für die Kunden im Regal präsentiert werden – was den Umsatz fördert. Teilweise werden Artikel auch wieder ins Sortiment aufgenommen, die zuvor aufgrund hoher Diebstahlraten ausgelistet wurden. Von der Quellensicherung profitieren so nicht nur Einzelhändler, sondern auch Hersteller. Rund 3.500 quellengesicherte Artikel sind in Europa bereits verfügbar – Tendenz steigend.